VDBD-Schulungsprogramm für Angehörige
DiaLife – zusammen leben mit Diabetes
so heißt das erste Schulungsprogramm für Angehörige von erwachsenen Menschen mit Diabetes mellitus. Das Schulungsprogramm wurde im Rahmen eines Projektes vom VDBD ins Leben gerufen und vom Bundesministerium für Gesundheit gefördert. Kooperationspartner des VDBD für die Entwicklung des Curriculums und der Schulungsmaterialien waren das Universitätsklinikum Jena, die SRH Hochschule für Gesundheit Gera sowie das RED-Institut.
Empowerment und soziale Unterstützung
Ziel von DiaLife ist es, die krankheitsbezogenen Belastungen von Angehörigen zu reduzieren sowie durch ein Empowerment die Fähigkeit der Angehörigen zur sozialen Unterstützung der Betroffenen zu stärken. Angehörige gewinnen durch die praktische Vermittlung von diabetesbezogenem Wissen und Fertigkeiten, wie z.B. durch den Gebrauch einer Glukagonspritze oder das Schätzen von KE-Einheiten, an Selbstsicherheit im Umgang mit der Erkrankung; denn nur wer weiß, was insbesondere in Notfallsituationen zu tun ist, kann schnell und effektiv helfen. DiaLife thematisiert und vermittelt zudem psychosoziale Fertigkeiten, wie z.B. Strategien der Kommunikation, die in Konfliktsituationen hilfreich sein können.
Unterstützung durch das soziale Umfeld gilt als wichtige Ressource und Beitrag für ein erfolgreiches Selbstmanagement der Betroffenen. DiaLife – zusammen leben mit Diabetes ist somit für Angehörige und Betroffene gleichermaßen ein Meilenstein im Bereich der Diabetesschulungsprogramme – auch deshalb weil es bisher kein Programm gab, das spezifisch auf Angehörige ausgerichtet ist.
Modulare Struktur
Das Schulungsprogramm DiaLife basiert auf den Erkenntnissen einer Bedarfsanalyse unter Angehörigen und ist modular aufgebaut, differenziert nach dem Diabtestyp. Für beide Versionen wurden jeweils fünf Basismodule entwickelt, dazu gehören “Grundlagen der Erkrankung” und „Leben mit Diabetes nachempfinden“. Ergänzend stehen für Angehörige von Menschen mit Diabetes Typ 1 weitere vier Wahlmodule, z.B. „Folgeerkrankungen“ oder „Sondersituationen“ zur Verfügung. Für Angehörige von Menschen mit Typ-2-Diabetes sind es drei Wahlmodule, z.B. „Demenz verstehen“.
Wissenschaftlich evaluiert
Die Wirksamkeit des Schulungsprogramms wurde durch eine Cluster randomisierten kontrollierten Studie (cRCT) im Längsschnittdesign wissenschaftlich evaluiert. Zunächst wurden Diabetesschwerpunktpraxen als Studienzentren gewonnen. Anschließend wurden die Probanden der Studie direkt von den jeweiligen Studienzentren rekrutiert. Die Studienzentren wurden randomisiert der Interventions- oder Kontrollgruppe zugewiesen, so dass die Angehörigen je nach Praxiszugehörigkeit ebenfalls der Interventionsgruppe und Kontrollgruppe zugeordnet wurden. Die Interventionsgruppe erhielt umgehend die Schulung mit DiaLife, während die Kontrollgruppe erst nach Abschluss der Evaluationsstudie mit DiaLife geschult wurde. Alle Studienteilnehmende sowie die zugehörigen Patientinnen und Patienten mit Diabetes wurden an vier Messzeitpunkten befragt: vor der Schulung mit DiaLife (t0), direkt nach dem letzten Schulungsmodul (t1) sowie jeweils sechs Monate (t2) und zwölf Monate nach Schulungsende (t3).
Für die Zielgruppe der Angehörigen wurden als primärer Endpunkt der Wissenszuwachs zum Thema „Diabetes mellitus nach Intervention“ definiert und als sekundäre Endpunkte Lebensqualität, Chronischer Stress, Stimmung und Depressive Verstimmung, Selbstwirksamkeit sowie Belastungen durch die Erkrankung der Patientin, des Patienten.
Wirksamkeit belegt
Ein Vergleich von Interventions- und Kontrollgruppe ergab einen signifikanten und nachhaltigen Diabetes bezogenen Wissenszuwachs bei Angehörigen, die in der Interventionsgruppe mit DiaLife geschult worden waren. Nach Adjustierung bezüglich des Wissenstandes bei Baseline-Erhebung konnte der signifikante Effekt unabhängig vom Diabetes-typ sowohl direkt nach Intervention mit DiaLife als auch 12 Monate nach Schulungsende beobachtet werden. Damit hat die Evaluationsstudie Evidenz für die Wirksamkeit des Schulungsprogramms DiaLife bezüglich des primären Endpunktes erbracht.
Darüber hinaus hatte die Schulung mit DiaLife signifikant positive Effekte für das mentale Wohlbefinden von Angehörigen von Menschen mit Diabetes Typ 2, verbesserte Werte für Lebensqualität und weniger Symptome für Depression. Dies gilt jedoch nicht für Angehörige von Menschen mit Diabetes Typ 1. Hier könnten zusätzliche Schulungsmodule Abhilfe schaffen. Der Fakt, dass DiaLife im Rahmen der Evaluationsstudie in rund 20 Diabetesschwerpunktpraxen erfolgreich implementiert worden ist, unterstreicht zudem die Durchführbarkeit des neuen Schulungsprogramms.
Abrechnungsmöglichkeit
Solange aber die Schulung mit DiaLife nicht mit Krankenkassen abgerechnet werden kann, bleibt sie eine individuelle Gesundheitsleistung, die von den Angehörigen bezahlt werden muss. Das Schulungsprogramm kann bei unserem Kooperationspartner MedTrix auf deren Website erworben werden.