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Berufsbild im Wandel

Diabetesberatung ist Patientensicherheit

Das Berufsbild der Diabetesberatung hat sich in den vergangenen vier Jahrzehnten stark gewandelt, nicht zuletzt weil die Therapie des Typ-1-Diabetes stark technologiegetrieben ist. Diabetesfachkräfte spielen eine tragende Rolle in der Versorgung von Menschen mit Diabetes und tragen entscheidend zur Behandlungsqualität und damit zur Patientensicherheit bei.

Auf Grundlage der Weiterbildungs- und Prüfungsordnung der Deutschen Diabetes Gesellschaft erlangen Diabetesfachkräfte dafür die notwendigen Kompetenzen. Während Diabetesassistentinnen und Diabetesasistenten DDG für die Betreuung von Menschen mit Diabetes Typ 2 ausgebildet werden, erwerben Diabetesberaterinnen und Diabetesberater DDG umfassende Kompetenzen für die Beratung und Schulung von Diabetespatientinnen und Diabetespatienten aller Altersgruppen und Diabetestypen.

Kompetenzen

Diabetesberaterinnen und Diabetesberater übernehmen innerhalb der Delegation die Planung, Organisation, Gestaltung, Durchführung, Steuerung und Evaluation von leitlinienbasierten Therapieprozessen, d.h. im Einzelnen:

  • übertragbare Tätigkeiten innerhalb der Diagnose- und Screeningverfahren, z.B. Durchführung eines oralen Glucosetoleranztests, um diabetesassoziierte klinische Werte und Diagnosekriterien zu bewerten, um im Bereich der Prävention als auch bei Diabetesmanifestation die Therapieziele aus der Anamnese entsprechend der ärztlichen Vorgaben abzuleiten;

  • die strukturierte Dokumentation und Verlaufsbeobachtung, um diese beispielsweise auch im stationären Setting interprofessionell zu kommunizieren;

  • ärztlich angeordnete Maßnahmen entlang der leitlinienorientierten Behandlungspfade unter Berücksichtigung von entwicklungs- und altersspezifischen Verlaufsdynamiken auf der Grundlage partizipativer Entscheidungsfindung mit den Betroffenen und ihren Bezugspersonen und führen diese je nach Situation, z.B. prä- und postoperativ, eigenständig durch;

  • Auswahlkriterien von Hilfsmitteln und Materialien für die Therapie unter Berücksichtigung vertraglicher Bedingungen der Kostenträger und der Verordnungsvorgaben für Hilfsmittel. Sie schätzen dabei die individuellen Selbstmanagementfähigkeiten und Hilfebedarfe von Menschen mit Diabetes ein.

Tätigkeitsfelder

Diabetesberaterinnen und Diabetesberater

  • begleiten Patientinnen und Patienten und die angeordneten Therapiemaßnahmen, u.a. die Dosistitration unter Berücksichtigung der Medikamentennebenwirkungen;

  • identifizieren und differenzieren die akuten Stoffwechselentgleisungen und wenden entsprechende Maßnahmen an, um ggf. in Abwesenheit eines Arztes, einer Ärztin notfallmäßig zu handeln. Dabei leiten sie selbstständig im Rahmen der von der jeweiligen Institution festgelegten Verfahrensanweisungen das Notfallmanagement ein;

  • wenden in der Betreuung von Menschen mit Diabetes relevante Screening- und Assessment-Instrumente (z.B. geriatrisches Assessment, WHO-5 Bogen) zur Einschätzung von alters- und diabetesassoziierten Auswirkungen an und kommunizieren die Ergebnisse interdisziplinär;

  • analysieren und identifizieren innerhalb der unterschiedlichen Versorgungssettings, inklusive Telemedizin, den Selbstmanagementbedarf von Menschen mit Diabetes;

  • konzipieren, implementieren und evaluieren abgestimmte entwicklungs- und altersspezifische Beratungs- und Schulungskonzepte;

  • fungieren insbesondere im klinischen Setting als fachliche und kommunikative Schnittstelle zwischen Menschen mit Diabetes, deren Angehörigen und allen am Prozess beteiligten Fachgruppen wie Ärztinnen, Ärzte, Pflegefachpersonen, Wundmanagerinnen, Wundmanager, Diätassistentinnen, Diätassistenten, Psychologinnen, Psychologen und wirken an Konsilen mit. 

  • Besondere, d.h. für diese Berufsgruppe spezifische Kompetenzen und Fertigkeiten erwerben Diabetesberaterinnen und Diabetesberater im Bereich der Diabetestechnologie. Diese umfassen u.a. die Einschätzung der Funktionsfähigkeit sowie die Anwendung von digitalen technischen Hilfsmitteln (z.B. Insulinpumpen, CGM, AID-Systeme), das Therapiemonitoring und die Auswertung und Interpretation von Glukosewerten. Sie steuern den Prozessablauf innerhalb der Verordnung und die Kommunikation für den Einsatz von Diabetestechnologie mit allen Beteiligten (Patientin, Patient, Angehörige und Krankenkassen).

Quellen